Bauland fürs Wohnen
Einmal im Jahr trifft sich die Kantonsratsfraktion der Alternativen – die Grünen Kanton Zug zu einem gemeinsamen Ausflug. Dieses Jahr besuchten wir die GEWOBA, die Genossenschaft für gemeinnützigen Wohnungsbau in Zug. Der Besuch zeigte eindrücklich, was gemeinnütziger Wohnungsbau leisten kann: Seit 1964 organisiert die GEWOBA Wohnen nicht nach maximaler Rendite, sondern nach dem Bedarf der Menschen. Heute bietet sie 164 Wohnungen mit tieferen Mieten und einer gemeinschaftlichen Nachbarschaft an. Wer im Kanton Zug eine Wohnung sucht, weiss, wie wichtig das ist. Bezahlbarer Wohnraum ist eines der grössten Probleme unseres Kantons. Junge Erwachsene, Familien und ältere Menschen brauchen ein Zuhause, das mit durchschnittlichem Einkommen bezahlbar ist. Genossenschaftswohnungen sind im Schnitt 20 Prozent günstiger, machen in Zug aber nur rund 2,5 Prozent aller Wohnungen aus. Wohnbaugenossenschaften entziehen Land und Liegenschaften der Spekulation und leisten bei ihrer Wohnungsvergabe einen Beitrag für durchmischte Quartiere. Gerade hier in Zug, wo die Mietzinse stark gestiegen sind, braucht es sie dringender denn je. Doch Wohnbaugenossenschaften kommen kaum an Bauland. Wenn jedes Grundstück an den Meistbietenden geht, verlieren jene, die hier leben und arbeiten. Deshalb braucht es Instrumente, die den Gemeinden Handlungsspielraum geben. Ein solches Instrument ist das Vorkaufsrecht. Die Initiative für ein Zuger Vorkaufsrecht will ermöglichen, dass Gemeinden Grundstücke für den gemeinnützigen Wohnungsbau zu denselben Bedingungen erwerben können, wie Private. Oft erfahren Gemeinden erst von einer Kaufmöglichkeit, wenn der Verkauf schon getätigt ist. In der Gemeinde Risch können die Behörden beim Weber-Areal das Heft in die Hand nehmen und bezahlbaren Wohnraum schaffen. Vorgesehen sind 30 Prozent preisgünstiger Wohnraum. Angesichts der angespannten Lage müssen wir jedoch tatkräftiger sein und 50 Prozent anstreben. Denn bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht zufällig. Er entsteht, wenn Gemeinden Bauland sichern, die Genossenschaften bebauen können und die Politik die Interessen der Bevölkerung über kurzfristige Renditen stellt.
Konradin Franzini
Kantonsrat und Co-Präsident Grüne Risch-Rotkreuz