Besonders deutlich zeigt sich das beim Leerwohnungsbestand. Während in der ganzen Schweiz rund 1,1 Prozent aller Wohnungen leer stehen, liegt der Kanton Zug mit 0,4 Prozent weit darunter. Praktisch alles, was auf den Markt kommt, ist sofort weg. Und das oft zu Preisen, die für normale Einkommen nicht mehr tragbar sind. Das ist kein Zufall. Der Kanton Zug hat über Jahrzehnte mit seiner aggressiven Tiefsteuerstrategie Vermögen, Holdingstrukturen und sehr hohe Einkommen angezogen. Zudem: Dass mit Wohnungen Renditen von sechs Prozent und mehr erzielt werden, ist nicht nur unanständig, sondern widerspricht dem Schutzgedanken der Bundesverfassung, die den Bund verpflichtet, gegen missbräuchliche Mietzinse vorzugehen.

Es braucht eine Kehrtwende.

Der Zuger Mittelstand soll auch in Zukunft im Kanton Zug leben können. Dafür müssen wir Wohnpolitik und Steuerpolitik endlich zusammendenken. Es geht nicht an, stets neue Steuersenkungen voranzutreiben und gleichzeitig zuzuschauen, wie die Mieten explodieren. Zug ist reich genug, um mehr für die Menschen zu tun, die hier wohnen, arbeiten und das gesellschaftliche Leben gestalten.

Ein wichtiger Schritt ist die Zuger Vorkaufsrecht-Initiative. Sie gibt den Gemeinden ein Instrument in die Hand, um geeignete Grundstücke zu kaufen, bevor diese der Spekulation überlassen werden. Auf diesen Grundstücken soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. Nicht als Zwang, sondern als Möglichkeit. Gerade in einem Kanton mit sehr viel Druck auf dem
Wohnungsmarkt braucht es dieses Instrument dringend.

Auch in der Gemeinde Risch müssen wir handeln. Auf dem Weber-Areal entsteht neues Bauland im Gemeindebesitz und hier ist die Gemeinde in der Pflicht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der Gemeinderat hält bisher an 30 Prozentpreisgünstigem Wohnraum fest. Ein Anteil von mindestens 50 Prozent preisgünstigem Wohnraum ist unser klares Signal. Und bei der Realisierung braucht es starke gemeinnützige Bauträger wie Wohnbaugenossenschaften. Sie bauen nicht für kurzfristige Rendite, sondern für langfristig stabile Mieten, gute Nachbarschaften und soziale Durchmischung. Genau solche Modelle braucht es mehr. Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht zufällig. Er entsteht, wenn die Politik ihn will und verbindlich absichert. Darum setze ich mich im Kantonsrat und in Risch dafür ein, dass wir den Wohnraum als Teil der Grundversorgung verstehen.

Der Kanton Zug, wie auch die Gemeinde Risch, sollen Orte bleiben, in die nicht nur investiert, sondern wo auch gut gelebt werden kann. Ein Ort, wo die Pflegefachfrau, der Handwerker, die Lehrerin, der Lernende und die pensionierte Nachbarin weiterhin Platz haben. Denn Wohnen ist kein Luxus, sondern die Grundlage dafür, dass Menschen hier zuhause sein können.

Konradin Franzini, Kantonsrat (bisher) Grüne Risch-Rotkreuz

 

Steckbrief Konradin Franzini

  • 28 Jahre alt, wohnhaft in Rotkreuz
  • Heimatort: Schwyz SZ
  • Projektleiter Demokratieförderung, Historiker, Kaufmann
  • Kantonsrat Risch (Mitglied erweiterte Justizprüfungskommission, Mitglied PUK)
  • Co-Präsident Grüne Risch-Rotkreuz, Initiant Zuger Transparenzinitiative
  • Mitgliedschaften: Mieterinnen- und Mieterverband Zug, Freie Baugenossenschaft Risch-Rotkreuz, Rischer Energie Genossenschaft, KISS Genossenschaft Risch
  • Hobbies: Badminton, Joggen, Wandern, Klavier