Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident,
sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,

Motion
Der Gemeinderat erarbeitet eine Vorlage zur Entsiegelung von Flächen. Darin enthalten sind ein Programm zur Entsiegelung von gemeindeeigenen Flächen sowie ein Anreizsystem mit finanzieller Unterstützung (Entsiegelungsfonds) für private Grundeigentümer:innen.

Begründung
Versiegelte Böden in Siedlungsgebieten sind eine der Hauptursachen für die Entstehung städtischer Wärmeinseln. Wasserundurchlässige Bodenbeläge aus Asphalt wärmen sich stark auf und speichern die Wärme. Das Entsiegeln solcher Oberflächen trägt zum klimatischen Ausgleich bei.

Tiefere Wärmespeicherkapazität: Begrünte Oberflächen erwärmen sich tagsüber aufgrund ihrer höheren Reflexionsfähigkeit weniger stark als unbegrünte. Ebenfalls speichern begrünte Oberflächen tagsüber weniger Wärme und geben nachts entsprechend weniger Wärme ab.

Verdunstungskälte: Entsiegelte Flächen kühlen aktiv die Umgebungsluft durch die Verdunstung von Bodenfeuchtigkeit und die Transpiration von Pflanzen. Bei der Verdunstung entzieht die Umgebungsluft Energie in Form von Wärme.

Luftströmung: Nachts wird die Kaltluftströmung auf ihrem Weg ins Siedlungsgebiet auf unversiegeltem Boden weniger gebremst. Optimal bestehen unversiegelte Böden aus Grünflächen, welche als Trittsteine den Kaltlufttransport unterstützen.

Entwässerung: Die vermehrte Versickerung von Regenwasser vor Ort entlastet die gemeindliche Kanalisation. Die Entsiegelung entlastet daher langfristig auch die Ausgaben der Gemeinde.

Hitzestrategie: Die Entsiegelung von asphaltierten und betonierten Flächen ist eine wirksame Massnahme im Kampf gegen die negativen Folgen der Klimaerwärmung, wie wir sie im Juni, Juli und August 2026 erlebt haben.

Im Sinne der Leitidee 9 (Anpassungen an den Klimawandel) der Klimastrategie der Gemeinde soll der Entsiegelung von Flächen ein besonderer Schwerpunkt eingeräumt und dafür ein entsprechendes Budget bereitgestellt werden, um die Wirksamkeit der Klimaanpassungsmassnahmen zu erhöhen.

Mehrfachnutzung und Veranstaltungen
Bei der Priorisierung von Entsiegelungsflächen ist darauf zu achten, dass Flächen, die regelmässig für öffentliche Veranstaltungen, Märkte oder andere Gemeinschaftsanlässe genutzt werden, ihre Nutzbarkeit behalten. Die Planung soll Mehrfachnutzungen ermöglichen: etwa durch teilversiegelte oder wasserdurchlässige Belagarten (Schotterrasen, Rasengittersteine, Drainagepflaster), die sowohl ökologisch wirksam als auch begehbar und nutzbar sind.

Erfahrungen anderer Gemeinden
Mehrere Schweizer Gemeinden und Kantone haben bereits Entsiegelungsprogramme eingeführt, an deren Erfahrungen sich Risch orientieren kann:

Kanton Zürich: Das kantonale Förderprogramm «Mehr Grün im Siedlungsraum» unterstützt Gemeinden und Private bei der Entsiegelung und Begrünung. Beiträge werden pro Quadratmeter entsiegelter Fläche ausgerichtet.

Stadt Luzern: Die Stadt hat ein Programm zur Entsiegelung von Privatflächen lanciert und beteiligt sich mit Beiträgen an den Kosten. Zudem wurde ein Leitfaden erstellt, der Grundeigentümer:innen bei der Umsetzung unterstützt.

Gemeinde Zollikon ZH: Hat im Rahmen ihrer Klimastrategie ein Entsiegelungsprogramm mit öffentlichen Förderbeiträgen eingeführt und erste gemeindeeigene Flächen entsiegelt.

Stadt Zug: Hat ein Messnetz mit rund 300 Temperatursensoren über das Stadtgebiet verteilt, sogenanntes Thermal-Mapping. Der Gemeinderat prüft bei der Erarbeitung der Vorlage, welche Ansätze auf die Verhältnisse von Risch übertragbar sind, und bezieht dabei die Erfahrungen dieser und weiterer Gemeinden ein.

Für die wohlwollende Prüfung unserer Motion bedanken wir uns im Voraus.

Rotkreuz, 20. August 2026

Im Namen der Grünen Risch-Rotkreuz

Konradin Franzini, Patricia Gasser