Patricia Gasser in den Rischer Gemeinderat
Viele Menschen bewegen sich heute in ihrer eigenen Blase. Ist das bei dir auch so?
Ein Stück weit wahrscheinlich schon – wir alle bewegen uns in unserem gewohnten Umfeld. Umso wichtiger sind mir die alltäglichen Begegnungen: bei der Arbeit, im Verein, auf dem Spielplatz oder am Dorffest. Dort trifft man Menschen mit ganz unterschiedlichen Meinungen. Mein Beruf zeigt mir jeden Tag, wie wertvoll Vielfalt ist. Seit zehn Jahren arbeite ich als Qualitätsmanagerin in einem Zuger Industriebetrieb. Gute Lösungen entstehen dort nie isoliert: Entwicklung, Produktion, Einkauf und Qualität bringen verschiedene Perspektiven ein, die zusammengeführt werden müssen. Genau so verstehe ich
Politik: zuhören, unterschiedliche Interessen ernst nehmen und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln.
Du leitest beruflich ein Team. Was nimmst du aus dieser Führungsrolle mit in die Politik?
Führung bedeutet für mich, Menschen zu stärken, damit sie ihren Beitrag leisten können. Wir nutzen in der Firma das Prinzip «Disagree and Commit»: Jede Person bringt ihre Argumente offen ein, aber wenn die Entscheidung nach intensiver Diskussion steht, tragen sie alle gemeinsam mit. Zudem durfte ich letztes Jahr am Leadership-Programm des European Economic Forum teilnehmen. Der Austausch mit Führungskräften aus Wirtschaft und Gesellschaft hat mich bestärkt: Komplexe Herausforderungen lösen wir nur miteinander – das wünsche ich mir auch für unsere Gemeinde.
Du bist Mutter – was ist dir für die Gemeinde Risch besonders wichtig?
Die Verkehrssicherheit liegt mir am Herzen. Eine Tempo-30-Zone zwischen Linden- und
Sportplatzkreisel würde die Begegnungszone in Rotkreuz optimal ergänzen. Davon profitieren Kinder auf dem Schulweg genauso wie Besuchende und Bewohnerschaft vom Pflegeheim und Velofahrende. Zudem brauchen wir lebendige Treffpunkte: Der Gemeindespielplatz bei der Kirche Rotkreuz könnte zu einem Generationenspielplatz werden, und beim Sportplatz wünsche ich mir einen Outdoor-Platz für Jugendliche. An viel genutzten Orten, wie beim Hüttli/Grillplatz im Sijentalwald, könnten Kompotois (Toiletten) hingestellt werden.
Was bedeutet für dich mehr Lebensqualität und wie gestaltest du Nachhaltigkeit?Nachhaltigkeit ist für mich ein Gewinn an Lebensqualität. Ein schattiger Weg unter Bäumen und ruhige Plätze ohne Verkehrslärm machen Risch lebenswert.Die Nutzung des Solarpotentials passt zu unserem Label Energiestadt, dies kann stärker vorangetrieben werden. Es geht darum, Risch so weiterzuentwickeln, dass auch kommende Generationen hier gerne leben.
Du hast einen anspruchsvollen Job, Führungsverantwortung und zwei kleine Kinder. Warum kandidierst du genau jetzt?
Genau deswegen. Ich bin hier aufgewachsen und wünsche mir eine gute Zukunft
für unsere Gemeinde. Es geht uns gut, doch als Qualitätsmanagerin sehe ich immer Potenzial für Verbesserungen. Ich engagiere mich bereits in Vereinen, der Sozialkommission und beim Familienleitbild. Mein Umfeld stärkt mir den Rücken und
unterstützt mich. Ein Gemeinderatsamt bedeutet Verantwortung und genau diese Verantwortung möchte ich übernehmen.
Bezahlbarer Wohnraum beschäftigt viele. Was ist hier dein Ansatz?
Wohnraum muss für Familien, junge Erwachsene und Ortsansässige bezahlbar bleiben, denn eine Gemeinde lebt von ihrer Vielfalt. Beim Weber-Areal habe ich mich daher für 50 statt 30 Prozent gemeinnützigen Wohnbau eingesetzt. Zudem unterstütze ich die Vorkaufsrecht-Initiative: Sie gibt der Gemeinde flexibel ein wirksames Instrument in die Hand.
Wie willst du als Gemeinderätin den Dialog mit der Bevölkerung sicherstellen?
Ein echter Austausch ist für mich zentral. Als einfaches Mittel stelle ich mir einen regelmässigen «Tag des offenen Büros» vor – eine Open-Door-Kultur, wie wir sie
aus Unternehmen kennen. Ich möchte die Hürde zwischen Bevölkerung und Gemeindeverwaltung abbauen, damit Ideen und Kritik unkompliziert eingebracht werden können.
Welches Ressort würde dich am meisten reizen?
Da meine Kinder jetzt in Schule und Kindergarten starten, interessiert mich das Bildungsressort sehr. Durch meinen technischen Beruf wäre aber auch das Ressort Tiefbau spannend. Grundsätzlich bin ich aber offen und motiviert für jede Aufgabe im Gremium.